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Care-Arbeit I

Sorgearbeit als Zukunftsbranche

Ältere Frau im Rollstuhl, die mit Hilfe einer Pflegerin aufsteht

Sorgearbeit ist das Fundament des Zusammenlebens
Foto: Andrej Popov/fotolia.de

Wie organisiert eine Gesellschaft ihre Care-Arbeit? So lautet die zentrale Frage des aktuellen Equal-Society-Briefs der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES). Darin wird Sorgearbeit als Fundament unseres Zusammenlebens beschrieben und deren steigende Bedeutung für die Zukunft herausgestellt. Gefordert wird eine Aufwertung sozialer Dienstleistungen.

Ausgehend vom Zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung, in dem der Gender Care Gap mit 52 Prozent angegeben ist und der Tatsache, dass diese Care-Arbeit nicht als Arbeit definiert bzw. entlohnt wird, skizziert das AutorInnenteam die Ursachen der Care-Krise mit den weitreichenden Folgen bis hin zum Gender Pay Gap und zur Altersarmut.

Soziale Dienstleistungen im Aufwind
Bei der Frage nach der Zukunft der Arbeit, die sich häufig um die Digitalisierung und Industrie 4.0 dreht, vermissen die AutorInnen einen Bezug zu den sozialen Dienstleistungen, in denen seit Jahren die Beschäftigungszahlen steigen: „Laut der Agentur für Arbeit hat die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten allein im Bereich Pflege und Soziales im Mai 2016 gegenüber dem Vorjahr um 109.000 zugenommen, im Bereich Erziehung und Unterricht waren es immerhin 31.000. Und: In einer alternden Gesellschaft wird die Bedeutung der personenbezogenen sozialen Dienstleistungen weiter zunehmen, zumal die Zahl der Singlehaushalte ebenfalls stetig steigt.“

Politikempfehlungen um Branche attraktiver zu machen
Um die sozialen Dienstleistungsberufe attraktiver zu machen, seien bessere Arbeitsbedingungen, höhere Personalschlüssel und eine bessere Bezahlung in dieser Branche nötig. In den Politikempfehlungen fordern die AutorInnen etwa

  • Qualität der Dienstleistungen und gute Arbeitsbedingungen statt Effizienz und Profit in den Vordergrund zu stellen;
  • Finanzierungsgrundlagen der Sorgearbeit zu verbessern;
  • staatliche Investitionen im sozialen Sektor zu erhöhen und dafür Sorge zu tragen, dass diese den Beschäftigten zugutekommen;
  • Ausbildungen in den Sorgeberufen attraktiver zu machen;
  • haushaltnahe Dienstleistungen aufzuwerten und die Überführung in sozialversicherungspflichtige Tätigkeiten zu unterstützen.

DF: Bessere Vereinbarkeit von Beruf und Care-Arbeit
Der Deutsche Frauenrat wendet sich anlässlich der Bundestagswahlen 2017 mit neun frauen- und gleichstellungspolitischen Forderungen an die Politik. Unter Punkt drei heißt es darin: Die soziale Infrastruktur für die Vereinbarkeit (Kinderbetreuung, Pflege) muss flächendeckend, bedarfsgerecht und qualitativ hochwertig ausgebaut werden. Sozialversicherte haushaltsnahe Dienstleistungen sind zu fördern, auch mit dem Ziel, diese allen Familien zugänglich zu machen. Der DF fordert, Frauen als pflegende Angehörige von und bei der Pflege zu entlasten. In der Pflegepolitik muss professionelle Pflege Vorrang gegenüber unentgeltlicher privater oder ehrenamtlicher Pflege haben. Die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung müssen bei privater häuslicher Pflege ausgebaut werden.

Weitere Informationen:

 Equal-Society-Brief 


AutorIn: Christine Müller

Erstellt am: Dienstag 09. Mai 2017

Thema: Care, Pflege, Vereinbarkeit von Beruf und Familie